Pflaumen aus dem Garten Eden

Sie wachsen in allen möglichen Farben, Formen, Größen und in großer Geschmacksvielfalt: die Kultur-Pflaumen. Ihre wilden Vorfahren, die vermutlich aus einer Kreuzung aus Schlehe und Kirschpflaume hervorgegangen sind, wurden vor etwa 2000 Jahren durch die Römer in die Regionen nördlich der Alpen gebracht. Allerdings noch ganz anders in Form, Farbe und Geschmack als die Exemplare, welche wir heute kennen, denn die sehr kreuzungsfreudigen Pflaumen gibt es mittlerweile in vielen Unterarten und mit mehr als 2000 Sorten. Die saftigen, runden, roten Pflaumen, die süß-säuerlichen Zwetschgen, die edlen Reineclauden und auch die zuckersüß duftigen Mirabellen gehören botanisch alle zu den Steinfrüchten aus der Familie der Rosengewächse. Folgen Sie uns auf die Streuobstwiesen und entdecken Sie Ihre Lieblingspflaume, frisch vom Baum, als leckeren Saft oder als Fruchtaufstrich für einen spätsommerlichen Früchtetraum!

Zwetschgen: Pflaumen in blau!

Die Vielfalt der Pflaumen ist riesig. Aber was genau ist eine Zwetschge? In Norddeutschland heißt sowieso alles Pflaume, in Süddeutschland und Österreich ist es eher umgekehrt. Was macht also eine echte Zwetschge aus? Die Zwetschge gehört, wie auch die Edelpflaumen Reineclaude und Mirabelle, zu einer von sieben Unterarten der Pflaume. In der Regel ist sie länglich und spitz zulaufend, mit tiefblauer Färbung und festem gelben Fruchtfleisch, das sich sehr leicht vom Stein lösen lässt. Sie weist nicht die pflaumentypische Längsfurche auf und ist von einer dünnen weißlichen Schutzschicht umgeben, dem sogenannten Duftfilm, der die Frucht vor dem vorzeitigen Austrocknen schützt und vor dem Verzehr abgewaschen werden kann.

Ihre besondere Superpower liegt darin, perfekt zum Backen und Kochen zu sein! Im Gegensatz zu den Pflaumen enthält sie weniger Wasser, lässt sich leichter entsteinen und bleibt auch beim Backen formstabil, weshalb sie auch zu Recht unter Bäcker:innen als „Königin der Blechkuchen“ gilt. Ihr köstliches süß-säuerliches, fein herbes Aroma geht selbst durch das Einwecken nicht verloren. Die Zwetschge weiß ihre Aromen in süßen Kreationen auszuspielen: Im österreichischen Nationaldessert Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster, im Zwetschgendatschi und den herrlichen Zwetschgen-Knödeln – allesamt echte Klassiker!

Wenn Sie jetzt noch mehr Lust auf Zwetschge bekommen haben, probieren Sie doch mal ein leckeres Roastbeef mit marinierten Zwetschgen, einen Wildbraten begleitet von karamellisierten Zwetschgen, roten Zwiebeln und Thymian, einen würziger Käseteller mit einem fruchtigen Zwetschgen-Chutney oder ideal zur Grillsaison, eine herzhafte BBQ-Sauce aus den gegrillten Steinfrüchten. Die kräftige Säure der blauen Frucht pariert die Kraft des Fleisches in außerordentlicher Weise – einfach köstlich! Und zum Abschluss vielleicht einen Zwetschgenbrand? Auf Ihre Gesundheit!

Steckbrief der Zwetschge

Eigenschaften

  • länglich und an den Enden spitz zulaufend | blau-violette Schale | gelbes festes Fruchtfleisch

Herkunft

  • Deutschland | Niederlande

Saison

  • Juli - Oktober

Geschmack

  • süß | sauer

Zwetschgen-Fruchtaufstrich: Pflaume in fein

Die schönen tiefblauen Steinfrüchte begeistern nicht nur in fruchtigen Desserts und herzhaften Gerichten. Ihr fruchtig-süßer Geschmack mit der feinen Säure lässt sich in Marmelade, Mus oder Kompott wunderbar einfangen. Verlängern Sie den Sommer mit unserem köstlichen Zwetschgen-Fruchtaufstrich: Ergänzt mit etwas frischer Orange und rotem Johannisbeersaft kommen die spätsommerlichen Früchte besonders gut zur Geltung. Lassen Sie sich den Spätsommer auf der Zunge zergehen.

Zwetschgensaft: Pflaume im Glas

Unser Geheimtipp! Sortenreiner Saft aus einer besonderen Zwetschgenart, die wegen ihres intensiven Geschmacks auch gern zum Backen, Einwecken oder als Bratenzugabe geschätzt wird. Die dunkel-violettblauen Zwetschgen werden auf alten Streuobstwiesen kultiviert, wo die bis zu 60-jährigen Bäume einzigartig aromatische Früchte entwickeln. Hergestellt ohne Zugabe von Wasser oder Zusatzstoffen wie Aromen oder Konservierungsmitteln, sorgt ihre ausgeprägte Fruchtsüße in Kombination mit einer sehr milden Gerbstoff- und Säurestruktur für eine leckere mundfüllende Textur, die den Saft zu einer echten Gaumenfreude macht! Genießen Sie ihn pur oder als erfrischende Saftschorle, gemischt mit Mineralwasser. Gut gekühlt ist der Saft mit seiner süßen Fruchtigkeit perfekt als Begleitung zu herzhaften Bratengerichten wie Rindsrouladen, geschmorten Schweinerippchen oder gegrilltem Fisch. Wie ein trockener leichter Rotwein passt er zu würzigem Käse oder ergänzt Pasta-Gerichte mit fruchtiger Tomatensauce.

Rote Pflaume: Die Runde mit Naht

Die roten rundlichen Geschmackswunder haben wir bereits vorgestellt. Für mehr Inspiration und Zubereitungstipps lesen Sie einfach hier in unserem Beitrag zum Thema Steinobst weiter.

Reineclaude: Pflaume auf französisch

Ihren Namen verdankt die „Königin der Pflaumen“ der französischen Königin Claudia („Reine Claude“), der Tochter Ludwigs XII., die eine große Liebhaberin der im 16. Jahrhundert noch exotischen Edelpflaume war. Die oft unter den Namen Reneklode, Ringlotte, Zuckerpflaume oder Ringlo bekannte Pflaumenart stammt aus Vorderasien und ist in Deutschland erst seit etwa 150 Jahren heimisch. Die meist gelbgrünschalige, manchmal auch rötlich, dunkelviolett oder gelbfarbige Reineclaude wird heute vor allem in Frankreich, aber auch in den wärmeren Lagen Deutschlands und Europas angebaut. Sie begeistert nicht nur durch ihr weiches, zart schmelzendes Fruchtfleisch und ihre aromatische Süße mit erfrischend säuerlichen Noten, sondern auch durch ihre überdurchschnittliche Saftigkeit. Sie ist etwas größer als die Mirabelle, mit der sie oft verwechselt wird. Die glattschaligen kugeligen Früchte sind von einem weißlichen Duftfilm umgeben, der sie vor dem Austrocknen schützt und ihr fast runder Kern lässt sich nur schwer herauslösen.

Genießer:innen essen sie am liebsten frisch vom Baum – die vollreifen würzig-süßen Steinfrüchte sind eindeutig pur am leckersten. Sie eignen sich aber auch zur Zubereitung von Mus, Obstsalaten, Kompotts, Desserts und Backwaren. Dank ihres festen Fruchtfleisches sind sie perfekt zum Garen und Schmoren: Herzhaften Gerichten verleihen die köstlichen Früchte eine aromatisch fruchtige Note. Als Chutney oder geschmort mit leckeren Schweinerippchen, in einer dunklen Sauce zu Wild oder Geflügel oder pikant eingelegt als Begleitung zu kräftigem Käse: Das würzig süße Steinobst ist herrlich abwechslungsreich. Ein selbst gemachter Reineclauden-Sirup mit etwas Mineralwasser oder Winzersekt aufgegossen, bietet gerade im Sommer eine herrliche Erfrischung. Vielleicht probieren Sie einen selbst aufgesetzten Obstlikör? Der berühmte französische Schnaps „Prunelle“ wird übrigens ausschließlich aus Reineclauden erzeugt. Aber Achtung: Die Saison dieser leckeren Früchte ist die kürzeste aller Pflaumenarten: Von Juli bis August ist Erntezeit, Sie sollten nicht die Gelegenheit zum Genuss dieser edlen Pflaumen verpassen!

 

Steckbrief der Reineclaude

Eigenschaften

  • oval-länglich | grün gelbe Schale | grün gelbliches Fruchtfleisch

Herkunft

  • Frankreich | Spanien

Saison

  • August - September

Geschmack

  • süß | aromatisch

Mirabellen: Pflaume in süß

Die kugelrunden Steinfrüchte werden in Frankreich bereits seit mehr als 600 Jahren geliebt, und kommen überwiegend aus Lothringen, ihrem historischen Anbaugebiet, werden aber auch in Deutschland und Italien angebaut. Hierzulande sind die „Wunderschönen“ – ihr Name wurde abgeleitet vom lateinischen Begriff „mirabilis“ für „wunderschön anzuschauen“ – erst seit dem 18. Jahrhundert bekannt, oft auch unter dem Namen „Gelbe Zwetschge“. Dass sich ihr Stein leicht aus ihrem festen Fruchtfleisch löst, ist eine Gemeinsamkeit mit ihrer tiefblauen Zwetschenschwester. Das kleine, feine Mitglied der Pflaumenfamilie ist kirschgroß: Sie erkennen sie an ihrer leuchtend gelben, ins Orange oder Grün spielenden Schale und dem grünlich gelben Fruchtfleisch, das feinwürzig und sehr saftig ist. Bei voller Reife verströmt sie einen einzigartigen Honigduft und dank ihres hohen Gehalts an Fruchtsüße schmeckt sie zuckersüß.

Reife Mirabellen sind in jedem Fall pur ein großer Genuss. Sie werden aber auch von Küchenchefs der gehobenen Gastronomie sehr geschätzt: Die kleinen goldenen Edel-Pflaumen lassen sich in beeindruckende Desserts und Patisserie verwandeln. Ein besonderes Geschmackserlebnis ist beispielsweise eine Mirabellentarte mit Lavendel-Eis. Natürlich passen sie auch hervorragend zu herzhaften Gerichten: Als Chutney, Kompott oder zu einer fruchtigen Sauce verarbeitet, vollenden sie eine gebratene Entenbrust, eine Foie Gras oder geschmortes Wildbret. Mit einem selbstgemachten fruchtigen Mirabellen-Likör oder einem erfrischenden Cocktail aus Mirabellensirup und Riesling Sekt beeindrucken Sie Ihre Gäste!

Steckbrief der Mirabellen

Eigenschaften

  • rund | orange gelbe Schale | orange gelbes Fruchtfleisch

Herkunft

  • Italien | Deutschland

Saison

  • August - September

Geschmack

  • süß | aromatisch

Woran erkenne ich Qualität und wie kann ich Pflaumen richtig aufbewahren?

Pflaumen sollten in einem fortgeschrittenen Reifestadium sein, aber nicht vollreif gekauft werden. Beim Einkauf sollten Sie darauf achten, dass sie außen weich, aber innen hart sind. Allerdings sollte die Schale bei Druck nicht zu stark nachgeben. Der weißliche Film bei Pflaumen, eine natürliche wachsartige Schicht, bildet sich durch Kondenswasser noch am Baum und schützt die Früchte vor Bakterien, Schimmel und dem Austrocknen. Er ist auch ein Hinweis für Frische, denn bei längerer Lagerung reduziert er sich. Vor der Zubereitung sollten Sie ihn aber mit Wasser abwaschen. Um die Pflaumen reifen zu las-sen, legen Sie sie bei Zimmertemperatur mit einem Insektenschutz bedeckt in eine Schale. Pflaumen sind reif und bereit zum Verzehr, wenn sie weich sind und süß duften. Im Kühlschrank halten sich Pflaumen und Zwetschgen etwa eine Woche. Sie sollten sie in einem Küchentuch oder Plastikbeutel aufbewahren, damit sie ihr Aroma nicht verlieren.

Die Reineclauden und Mirabellen sollten beim Kauf fest und prall aussehen, aber auf leichten Fingerdruck etwas nachgeben. Achten Sie darauf, dass ihre Schalen makellos sind, matt glänzen und die Früchte einen süßen Duft abgeben. Die druckempfindlichen Steinfrüchte sollten Sie nicht lange lagern. Waschen Sie sie erst kurz vor der Zubereitung, sonst zerstören Sie ihren vor Austrocknung schützenden weißlichen Schutzfilm. Reife Reineclauden können Sie bei Raumtemperatur bis zu drei Tage aufbewahren, im Gemüsefach des Kühlschranks halten sie sich etwa eine Woche frisch. Mirabellen sind etwas empfindlicher und verderben schnell: Kaufen Sie besser keine überreifen Früchte und lagern Sie sie im Kühlschrank bis zum Verzehr maximal 2 bis 3 Tage.

Welche Lebensmittel passen gut zu Pflaumen?

Fast alle unsere Pflaumenlieblinge haben mehr oder weniger intensive Mandel- und Pfirsichnoten, sind leicht blumig und dezent würzig. Sie vertragen Hitze deutlich besser als viele andere Früchte, ohne ihre süßen und säuerlichen Aromen zu verlieren. Deshalb können Sie Pflaumen backen, einkochen, im Ofen rösten, schmoren, Fleisch damit füllen und – natürlich – pur essen. Das macht übrigens besonders Spaß, wenn Sie die verschiedenen Sorten miteinander kombinieren und sich so die unterschiedlichen ge-schmacklichen Nuancen ergänzen. Weitere Ideen zu aromatischen Kombinationspart-nern finden Sie in unserer Liste im Anschluss, wie immer ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Molkereiprodukte: Sahne, Buttermilch, Butter, Joghurt, Käse
  • Gemüse: Rote Bete, Topinambur, Zwiebel, Karotten
  • Früchte: Zitrone, Grüner Apfel, Quitte, Orange, Kirsche, Aprikose, Pfirsich
  • Kräuter und Gewürze: Vanille, Pfeffer, Minze, Zimt, Nelken, Sternanis, Ingwer, Wacholderbeere, Süßholz, Thymian, Muskatnuss, Muskatblüte, Piment, Lavendel
  • Fleisch und Geflügel: Ente, Huhn, Wild, Schweinefleisch, Speck, Roher Schinken, Rindfleisch
  • Kerne und Nüsse: Mandel, Haselnuss, Pekannuss
  • Schokolade, Honig, Ahornsirup, Karamell

Welcher Wein passt zu Pflaumen?

Pflaumen haben ein sehr eigenes Aroma, das nicht übertönt werden sollte. Zu süßen Backwaren wie Pflaumenkuchen mit Schlagsahne passt am besten ein leckerer Portwein. Ein Marsala-Wein beeindruckt als Begleitung eines saftigen Pflaumen-Crumbles. Ansonsten stehen bei herzhaften Gerichten die jeweils dominanten Aromen im Mittelpunkt der Empfehlung: Beim Klassiker, Ente mit Pflaumensauce, ist die leichte Säure der Pflaume ein Gegenpol zum Fett der Ente; dazu passt gut ein trockener Spätburgunder aus Rheinhessen oder Baden. Und als Begleitung eines Bœuf Bourguignon mit geschmorten Pflaumen eignet sich ein feiner Bordeaux perfekt.